Einsamere RIGI - durch Bänder und Felssturz

Samstag, 6. Juni 2015

 

Wer kennt sie nicht die Rigi – die Königin der Berge? Geliebt und begangen von Einheimischen und nicht weniger von unseren asiatischen Touristen mit ihren Tablets, Filmkameras und I-Phones samt Selfi-Sticks. Wer mit Hans-Urs unterwegs ist weiss, dass nicht mit dem Touristenstrom geschwommen wird. Wir kosten die Reize wenig begangener Wege und tauchen ab in eine Welt jenseits des grossen Rummels. Ab Chräbel geht’s horizontal Richtung Dächli. Der uns im Weg liegende Granitfindling wurde vor Zehntausenden von Jahren mit dem Eisstrom vom Gotthard heruntertransportiert. Wir geniessen das schattenspendende Laubdach im steilen Gelände. Unser Leiter weist uns auf altes Gemäuer hin, welches in alter Zeit Fundament für einen Kohlemeiler war. Heute sind die Steine in sattgrünes Moos gepackt. Unter dem dichten Laubwald ist eine Verjüngung des Baumbestandes kaum möglich. Farne und Moose bedecken den Waldboden. Sobald das Blattwerk sich etwas lockert und mehr Sonnenlicht durchsickert, siedeln sich Jungbäume an. Ihr Start erschwert sich jedoch. Die zarten Knospen und Blätter sind eine willkommene Delikatesse für Hirsch und Reh. Die Fussstapfen und Kotspuren von den vierbeinigen Weggefährten sind neben Fibramsohlenabdrücken unübersehbar. Die Vierbeiner benutzen dieselben Wege. Dank ihnen verwachsen diese Forstarbeiterwege nicht.

 

Die Lichtungen geben den Blick frei auf den Zugersee mit Zugerberg, Rossberg und Mythen. Die im Wald eingebetteten Frühlingsmatten ziehen uns immer wieder in ihren Bann. Die Farbenvielfalt der Blumen kennt keine Grenzen. Wir versuchen, uns all die Namen in deutscher und lateinischer Sprache und Pflanzenfamilie zu memorieren. Bereits im jungen Tag brennt die Sonne unerbärmlich auf die steilen Flanken, und wir sind dankbar, wieder im schattigen Wald verschwinden zu dürfen. Locker passieren wir einige der vorangekündigten Schlüsselstellen mit dem Unwissen auf Kommendes. Im Schutze der vorgewölbten Nagelfluhfelsen ziehen wir weiter Richtung Tristenbödeli. Der Talkessel entzieht sich unserem Blick, der Raum Zug und Luzern öffnet sich vor uns. Soldanella im zarten Rosa zeugen davon, dass hier kürzlich die letzten Schneeblätze geschwunden sind. Frühlings-Anemonen zu Gruppen arrangiert lassen unsere Kameras klicken. Vom Tristenbödeli geniessen wir den Rundumblick weit ins Flachland. Im Rücken steht imposant die Rigi Kulm. Wir stellen uns das dort herrschende Wirrwarr von Chinesen, Japanern, Luzernern und anderen Einheimischen vor. Auch wenn uns die letzten Höhenmeter zum Gipfel fehlen, schätzen wir uns nicht minder glücklich. Nun weiss auch Hans Stoll, dass mit Türkenbund keine politische Verschwörung gemeint ist ....

 

Bei Rigi Staffel mischen wir uns wohl oder übel in den Touristenstrom, betrachten etwas erstaunt und belustigt das emsige Treiben. Über den imposanten Felsenweg wandern wir weiter. Frauenschuh und weisses Waldvögelein entdecken wir im steilen Wiesenbord. Der Molasse-Steinbrech hat an der senkrecht abfallenden Nagelfluhwand einen exponierten Standort gewählt. Der Rotstock bot uns aussergewöhnliche Funde. Auf einer wenig begangen Kuppe zeigt uns Hans-Urs das Läusekraut und daneben die unscheinbare Einorchis. Hunger macht sich da und dort schon länger bemerkbar. Doch nochmals wird unsere Aufmerksamkeit geweckt. Nicht eine botanische Seltenheit, nein der ausgeleerte Inhalt einer Urne zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Für unseren pensionierten Biologielehrer klar erkennbar durch ein Stück Oberschenkelknochen. Welche Lebensgeschichte uns wohl hier zu Füssen liegt? Nach dem First zeigt uns ein Grenzstein aus dem Jahre 1860 die Richtung zu unserem Abstieg. Steile Wildiheuerpfade wie aus dem Film führen uns auf die Südflanke der Rigi. Nun ist das Mittagessen für uns unaufschiebbar. Auf die Frage, ob Schatten oder Aussicht gewünscht sei, kann uns Hans-Urs auf Wunsch sogar beides anbieten. Inmitten einer vielfältigen Alpenflora mit Blick auf die Bergkette ennet dem See geniessen wir unseren wohlverdienten Mittagsrast. Nicht allzu lange ist uns diese Pause vergönnt. Mit Blick zu unserem Ziel Vitznau sind die bevorstehenden Höhenmeter abwärts nicht schönzureden. Zur Schonung unserer Knie packen wir unsere Stöcke aus und steigen mit einem Schwenker über Romiti ab. Wir sind nicht ganz sicher, werden wir durch die Touristen in der Dampfeisenbahn bemitleidet, oder würden sie die Enge auf ihren Holzbänken gerne mit uns tauschen? Wir lassen uns jedenfalls nicht anmerken, dass uns allen ziemlich heiss ist. Und so kommt uns die Sirupbar beim Biobauer oberhalb des Schnurtobels sehr gelegen. Endlich können wir abtauchen in den Waldpark des Hotels Parkhotel. Wir geniessen die willkommene Kühle. Wildromantisch eingebettet zwischen aufgetürmten Steinkolossen aus Nagelfluh führt der Weg über Treppen und schmale Brücken. Ein Wasserfall bahnt sich den Weg durch den ehemaligen Bergsturz und fängt die spärlichen Sonnenstrahlen ein. Wir verlassen die Flaniermeile des Parkhotels aus der Jahrhundertwende und stehen abrupt auf der Strasse. Aus der Traum.....

 

Oliver Küchler, Marlen Wick, Elsbeth Cuba, Urs Karli und Hans Stoll kamen in den Genuss einer unvergesslichen Tour. Hans-Urs hat uns mit viel Achtsamkeit, seinem breiten Wissen, seiner blumigen Sprache, seiner Sensibilität für Fauna und Flora durch den Tag geführt - ein herzliches Dankeschön von uns an dich.

 

Isabella Lenzlinger

 


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